Macron schlägt Vergeltungsmaßnahmen gegen US-Tech-Dienste vor
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DJ US-ZOLL-BLOG/Macron schlägt Vergeltungsmaßnahmen gegen US-Tech-Dienste vor
Kommentare, Einschätzungen und Entwicklungen zu US-Zöllen:
Macron schlägt Vergeltungsmaßnahmen gegen US-Tech-Dienste vor
Europa zieht nach den Worten des französischen Präsidenten Emmanuel Macron eine mehrgleisige Reaktion auf die Zölle der Trump-Regierung in Erwägung, einschließlich Vergeltungsmaßnahmen gegen digitale US-Dienste und die Einführung eigener Zölle gegen die USA. "Alle Instrumente liegen auf dem Tisch", sagte Macron im Elysée-Palast und erwähnte dabei die Möglichkeit von Vergeltungszöllen sowie "eine Antwort auf digitale Dienstleistungen der USA, die in Europa sehr profitabel sind". Macron wies zudem darauf hin, dass Europa bald mit einer Flut von Importen aus südostasiatischen Volkswirtschaften konfrontiert sein könnte, die ihre Einfuhren aus den USA nach Europa umleiten würden.
Chef des Wifo-Instituts rät EU zu Exportsteuern
Der Chef des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung (Wifo), Gabriel Felbermayr, rät der EU zu speziellen Exportsteuern als Reaktion auf die US-Zölle. Um die angekündigte US-Offensive bei Halbleitern zu starten, würden moderne Chipmaschinen benötigt, die derzeit nahezu ausschließlich in Europa produziert würden. "Wie wäre es also, wenn die EU Trump mit Exportsteuern auf diese Maschinen droht", sagte Felbermayr dem Spiegel. "So könnte sich Brüssel zusätzliche Einnahmen verschaffen und den Amerikanern zugleich vor Augen führen, wie dünn die Argumente ihres Präsidenten sind." Die EU müsse versuchen, die Amerikaner mit Maßnahmen zu überraschen, die diese nicht auf dem Schirm hätten, anstatt es den USA mit gleicher Münze heimzuzahlen.
Kanada kündigt Vergeltungszölle für US-Autos an
Kanada will auf die von US-Präsident Donald Trump verhängten Autozölle mit eigenen Zöllen in Höhe von 25 Prozent reagieren. Das betreffe alle US-Fahrzeuge, die nicht den Regeln des Freihandelsabkommens zwischen den USA, Mexiko und Kanada entsprechen würden, kündigte Kanadas Premierminister Mark Carney an. Die Zölle sollen nur für fertige Fahrzeuge gelten und nicht für Bausteile aus Mexiko. Laut Carney sollen die Gegenzölle 5,6 Milliarden US-Dollar in die Kasse Kanadas spülen. Die Einnahmen könnten zur Unterstützung der von den US-Zöllen betroffenen Arbeitnehmer und Unternehmen verwendet werden.
WTO befürchtet Rückgang der Handelsströme und Zollkrieg
Nach Einschätzung der Welthandelsorganisation (WTO) dürften die weltweiten Handelsströme als Reaktion auf die jüngsten Zollerhöhungen der Trump-Administration in diesem Jahr zurückgehen und neue Vergeltungsrunden die wirtschaftlichen Auswirkungen noch weiter verstärken. Nach einem Rückgang im Jahr 2023 hat sich der Warenhandel im vergangenen Jahr wieder erholt, und die WTO hatte für dieses Jahr ursprünglich mit einem weiteren Aufschwung gerechnet. Nach der am Mittwoch von den USA angekündigten drastischen Erhöhung der Einfuhrzölle haben sich diese Aussichten jedoch geändert. Erste Schätzungen deuteten darauf hin, dass das weltweite Warenhandelsvolumen in diesem Jahr um etwa 1 Prozent zurückgehen könnte, sagte WTO-Generaldirektorin Ngozi Okonjo-Iweala. Zudem könnten die Handelsströme noch weiter versiegen, wenn die USA auf etwaige Vergeltungsmaßnahmen mit weiteren Zollerhöhungen reagieren würden. Die WTO zeigte sich angesichts dieses Eskalationspotenzials "tief besorgt".
Schweiz kann Berechnung von US-Zöllen nicht nachvollziehen
Die Schweizer Regierung kann nach eigenen Angaben nicht nachvollziehen, wie die USA ihre Zölle berechnet haben. Auf alle Schweizer Waren werden 31 bis 32 Prozent erhoben, wenn sie in die USA eingeführt werden. Das ist höher als bei anderen Handelspartnern der USA mit ähnlichen Wirtschaftsstrukturen wie der Europäischen Union, Großbritannien und Japan, erklärte der Schweizer Bundesrat, und fügte hinzu: "Die Berechnungen der US-Regierung sind für den Bundesrat nicht nachvollziehbar." Die Schweizer Regierung bestritt, aufgrund unfairer Handelspraktiken einen Handelsüberschuss mit den USA zu haben, da 99 Prozent der US-Waren zollfrei in die Schweiz eingeführt werden könnten. Eine Eskalation der Handelsspannungen liege nicht im Interesse der Schweiz, so der Bundesrat, und die Regierung plane keine Vergeltungsmaßnahmen gegen die USA.
Wirtschaftsweise fordert EU-Digitalsteuer für US-Tech-Konzerne
Die Chefin der Wirtschaftsweisen, Monika Schnitzer, hat die EU aufgefordert, als Reaktion auf die neuen US-Zölle eine Digitalsteuer für US-Tech-Konzerne einzuführen. "Eine besonders effektive Maßnahme wäre, die Dienstleistungen der Big-Tech-Unternehmen zu besteuern", sagte Schnitzer der Rheinischen Post. "Dass die EU mehr Dienstleistungen aus den USA beziehen als umgekehrt, davon ist in Trumps Reden bisher nichts zu hören." Einzelne EU-Länder würden bereits eine Digital Service Tax erheben. "Dies wäre der richtige Zeitpunkt, das EU-weit zu tun, beispielsweise als Steuer auf die Werbeeinnahmen von Plattformunternehmen", fügte die Vorsitzende des Wirtschaftssachverständigenrats der Bundesregierung hinzu. Das würde den Börsenwert der Tech-Unternehmen spürbar reduzieren.
EU will vor Vergeltungsmaßnahmen mit den USA sprechen
Die Europäische Union wird sich Zeit nehmen für Handelsgespräche mit den USA, bevor sie Vergeltungsmaßnahmen ergreift, kündigte der EU-Handelskommissar Maros Sefcovic auf X an. "Wir werden ruhig, sorgfältig abgestuft und geeint vorgehen, während wir unsere Reaktion kalibrieren und gleichzeitig ausreichend Zeit für Gespräche lassen", erklärte Sefcovic. "Aber wir werden nicht tatenlos zusehen, sollten wir nicht in der Lage sein, eine faire Vereinbarung zu erzielen", fügte er hinzu. Die Trump-Administration hat Zölle in Höhe von 20 Prozent auf alle Importe von EU-Gütern in die USA angekündigt, sowie Zölle in Höhe von 25 Prozent auf Automobile. "Ungerechtfertigte Zölle schlagen unweigerlich fehl. Ich werde morgen mit meinen US-Kollegen sprechen", erklärte Sefcovic.
Maersk: Zölle schaden Weltwirtschaft und verzögern Warentransport
Nach Einschätzung der Reederei A.P. Moeller-Maersk werden die weitreichenden Zölle der Trump-Administration der Weltwirtschaft schaden und den Warentransport verzögern. Die dänische Reederei, die mehr als 700 Schiffe betreibt, geht davon aus, dass Kunden, zu denen große Einzelhändler wie Amazon, Walmart und Target gehören, vorsichtiger mit ihren Lagerbeständen umgehen und die Abfertigung von Waren durch den Zoll verzögern werden, da sie auf Klarheit über die neuen Abgaben warten. Kurzfristig werde man daher wahrscheinlich einen Anstieg der Nachfrage nach Zolllagern sehen, da die Kunden vor der Warenabfertigung erst mehr Gewissheit haben wollten.
Kontakt zur Redaktion: konjunktur.de@dowjones.com
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