Kommentar
13:10 Uhr, 03.04.2025

Löst der Euro den US-Dollar jetzt als Fluchtwährung ab?

Fragt man 10 Volkswirte nach ihrer Meinung, wie es mit der Wirtschaft weitergehen mag, bekommt man nicht selten 8 unterschiedliche Meinungen präsentiert. Nicht so bei den von den USA verhängten Zöllen. Hier herrscht große Einigkeit. Sie sind richtig übel!

Erwähnte Instrumente

  • EUR/USD
    ISIN: EU0009652759Kopiert
    Kursstand: 1,10542 $ (FOREX) - Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung
  • EUR/USD - WKN: 965275 - ISIN: EU0009652759 - Kurs: 1,10542 $ (FOREX)

Die Deutsche Bank hat am Donnerstag vor den Risiken einer Krise des Vertrauens in den US-Dollar gewarnt. Hintergrund der Sorge ist eine mögliche Verschiebung der Kapitalflüsse, die die fundamentalen Währungsbewegungen verdrängen könnte, was zu einer chaotischen Entwicklung der Wechselkurse führen würde. George Saravelos, ein führender Analyst der Deutschen Bank, betonte in einer Stellungnahme, dass die derzeitigen Marktveränderungen "dramatische Regimewechsel" widerspiegeln könnten, die die Finanzmärkte in eine unvorhersehbare Richtung lenken.

USD trotz Krise nicht mehr gefragt?

Der US-Dollar, als weltweit führende Reservewährung, geriet am Donnerstag unter breit angelegten Verkaufsdruck, nachdem die jüngsten Zölle von US-Präsident Donald Trump Besorgnis über mögliche Rezessionsrisiken in den USA ausgelöst hatten. Der Dollar fiel um mehr als 2 % gegenüber dem Euro und dem japanischen Yen und um mehr als 1 % gegenüber dem britischen Pfund. Dieser Rückgang wurde durch die Angst vor einer wirtschaftlichen Abkühlung in den USA weiter verstärkt.

Saravelos warnte davor, dass ein beschleunigter Rückgang des Dollars die globalen Zentralbanken vor große Herausforderungen stellen würde. Insbesondere die Europäische Zentralbank (EZB) könnte durch eine starke Euro-Aufwertung und die drohende Deflation einen externen Schock erleben. "Das Letzte, was die EZB braucht, ist ein durch einen Verlust des Dollar-Vertrauens ausgelöster disinflationärer Schock", sagte Saravelos.

Neben den Sorgen über die Währungsmärkte gibt es auch wachsende Bedenken hinsichtlich der Auswirkungen der neuen US-Zölle. Goldman Sachs schätzt, dass die neuen Zölle das Wachstum in China um weitere 1 % bremsen könnten, was den Gesamtabschlag auf 1,7 % anhebt. Trotz dieser negativen Aussichten hält die Investmentbank ihre Wachstumsprognose für 2025 bei 4,5 %. Evercore ISI sieht durch die aktuellen Entwicklungen das Risiko einer Stagflation steigen, während Morgan Stanley bekräftigte, dass die neuen Zölle das Wirtschaftswachstum in den USA spürbar bremsen würden. Die Citi prognostiziert, dass die Zölle die Kerninflation in den USA um rund 1 Prozentpunkt anheben könnten, was zu einem Anstieg der Inflation auf nahezu 4 % führen würde.

Die Deutsche Bank erwartet, dass die Auswirkungen der Zölle das US-Wachstum um etwa 1 bis 1,5 % verringern könnten, während die Kern-Inflation möglicherweise einen ähnlichen Anstieg erfahren wird. Barclays warnt außerdem vor einem "hohen" Risiko einer Rezession in den USA noch in diesem Jahr.

Fazit: Bislang habe ich noch keinen Experten ausmachen können, der etwas Positives in die jüngste Zollpolitik von Trump hineininterpretiert. Kommt die schnelle Wende? Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Falls sie kommt, dann darf sie sich nicht mehr viel Zeit lassen. Beachtlich ist vor allem, dass der so wichtige US-Dollar seinen Ruf als Fluchtwährung zu verlieren scheint. Doch es ist zu früh, um die Gemengelage schon nachhaltig einordnen zu können. Heute herrscht erst einmal Chaos.

EUR/USD
Statischer Chart
Live-Chart
stock3 TerminalChart analysieren
  • ()
    FOREX

Passende Produkte

WKN Long/Short KO Hebel Laufzeit Bid Ask
Keine Ergebnisse gefunden
Zur Produktsuche

Keine Kommentare

Du willst kommentieren?

Die Kommentarfunktion auf stock3 ist Nutzerinnen und Nutzern mit einem unserer Abonnements vorbehalten.

  • für freie Beiträge: beliebiges Abonnement von stock3
  • für stock3 Plus-Beiträge: stock3 Plus-Abonnement
Zum Store Jetzt einloggen