Nachricht
06:50 Uhr, 03.04.2025

VCI: Kühlen Kopf bewahren

DJ US-ZOLL-BLOG/VCI: Kühlen Kopf bewahren

Kommentare, Einschätzungen und Entwicklungen zu US-Zöllen:

VCI: Kühlen Kopf bewahren

Der Verband der Chemieindustrie (VCI) setzt als Reaktion auf die von den USA angekündigten Zölle auf Verhandlungen und auf ein einheitlich auftretendes Europa. "Brüssel muss in seiner Reaktion flexibel und im engen Dialog mit Washington bleiben. Berlin muss dazu beitragen, dass Brüssel mit einer Stimme für die EU spricht", sagte VCI-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Große Entrup. "Europa braucht ein starkes Mandat, auch im Interesse der deutschen Industrie. Das Ziel muss eine beidseitig faire Lösung sein - für Europa und die USA." Es gelte für alle Beteiligten, "einen kühlen Kopf zu bewahren". Die USA seien weiterhin ein zentraler Handelspartner für Deutschland. "Eine Eskalationsspirale würde den Schaden nur vergrößern. Unser Land darf nicht zum Spielball eines ausufernden Handelskrieges werden."

VDA: "Kein America first, das ist America alone"

Die von US-Präsident Donald Trump am Mittwoch angekündigten neuen reziproken US-Zölle markierten einen "fundamentalen handelspolitischen Einschnitt", sagte Hildegard Müller, Präsidentin des Verbandes der Automobilindustrie (VDA). "Es ist die Abkehr der USA von der regelbasierten globalen Handelsordnung - und somit die Abkehr von der Grundlage für weltweite Wertschöpfung und entsprechendes Wachstum und Wohlstand in vielen Regionen der Welt. Das ist kein America first, das ist America alone." Die Maßnahmen seien eine massive Belastung und Herausforderung für Unternehmen und die globalen Lieferketten der Automobilindustrie. "Die Folgen der 25 Prozent-Zölle, die ab dem 3. April mindestens auf Pkw, leichte Nutzfahrzeuge und bestimmte Autoteile erhoben werden, sind noch schwer einzuschätzen", so Müller. Die EU sei jetzt gefordert, "geschlossen und mit entsprechender Stärke aufzutreten - und gleichzeitig weiterhin die Bereitschaft zu Verhandlungen zu signalisieren".

Mexiko und Kanada bekommen keine reziproken Zölle

Analysten der Rabobank weisen darauf hin, dass Mexiko und Kanada in der aktuellen Zollankündigung von US-Präsident Donald Trump weder bei den reziproken Zöllen noch bei dem Universalzoll von 10 Prozent betroffen sind. Gleichwohl habe Trump wettbewerbsfeindliche Praktiken Kanadas bei Milchprodukten erwähnt und Mexikos Dominanz in der nordamerikanischen Autoproduktion, schreiben sie in einer Analyse. Die von dem Freihandelsabkommen mit den USA abgedeckten Waren seien nicht betroffen, die nicht abgedeckten Waren mit den bereits verhängten 25 Prozent Zoll belegt. Mexiko wolle früheren Ankündigungen zufolge mit einem "umfassenden Programm" reagieren, von Kanada gebe es noch keine aktuellen Stellungnahmen.

China-Zoll "große negative Überraschung"

Ais Sicht des Deutsche-Bank-Devisenstrategen George Saravelos ist der US-Einfuhrzoll von 50 Prozent gegen China und dessen Bindeglied Vietnam die "große negative Überraschung", der Zollankündigung, weil damit Waren von 600 Milliarden US-Dollar betroffen sind. Er schreibt in einem Kommentar: "Die Frage ist einfach: Wie bereit wird China sein, die Handelsverhandlungen abzuwarten und/oder diesen negativen Terms-of-Trade-Schock im Inland durch neue Impulse für die Binnennachfrage aufzufangen? Oder wird es versuchen, den Schock über eine Abwertung des Yuan in den Rest der Welt zu exportieren, um die Wettbewerbsfähigkeit seiner Waren wiederzuerlangen und das Angebot chinesischer Produkte in den Rest der Welt umzuleiten?" Saravelos zufolge wäre das Szenario einer Yuan-Abwertung eher deflationär und Dollar-positiv für den Rest der Welt, das Stimulierungsszenario wäre viel positiver.

US-Zoll auf EU-Waren steigt von 9 auf über 20 Prozent

Die von den USA verhängten reziproken und Universalzölle steigern die Zollbelastung von EU-Waren nach Aussage von Berenberg-Chefvolkswirt Holger Schmieding von 9 auf deutlich über 20 Prozent. "Wir rechnen damit, dass schon morgen ernsthafte Verhandlungen mit der EU und anderen US-Handelspartnern beginnen werden", schreibt er in einem Kommentar. Das Basisszenario von Berenberg sei, dass Trump den Zins bis Ende des zweiten Quartals wieder auf 15 Prozent senken werde, was immer noch höher als der Zollsatz von etwa 2,5 Prozent von Ende 2024 wäre. Sollten die Zölle unverändert bleiben, wäre das ein Abwärtsrisiko für die Wachstumsprognosen für die USA und die Eurozone von 2,3 und 1,0 Prozent 2025 und 2,0 und 1,5 Prozent 2026 und ein Aufwärtsrisiko für die Inflation. "Die US-Inflation dürfte Ende 2025 bei über 3 Prozent liegen. Das könnte die Fed zwingen, die Zinsen noch in diesem Jahr anzuheben", schreibt Schmieding.

EU wird auf Zölle reagieren

Die EU wird nach Aussage von Bernd Lange, Vorsitzender des Außenhandelsausschusses des Europaparlaments, auf die neuen US-Importzölle reagieren. "Wir werden dies mit juristischen, legitimen, verhältnismäßigen und entschlossenen Maßnahmen tun", schreibt er in einer Stellungnahme. Die EU werde prüfen, welche der zur Verfügung stehenden Instrumente dafür am besten geeignet seien. "Wir weichen nicht zurück. Wir werden unsere Souveränität verteidigen und wir werden die Gesetzgebung, die wir demokratisch und im Interesse der EU-Bürger gestaltet haben, nicht ändern, auch wenn dies einigen US-Milliardären missfällt", so Lange. Die Länder, die von diesen Maßnahmen betroffen seien, müssten geschlossen reagieren und eine klare Botschaft an die USA senden. Lange kündigte für 9.00 Uhr eine Pressekonferenz an.

Kontakt zum Autor: konjunktur.de@dowjones.com

DJG/mgo/cbr

Copyright (c) 2025 Dow Jones & Company, Inc.

Das könnte Dich auch interessieren